Sonntag, 14. März 2010

ZWEITER BRIEF


2. Brief

Liebes zu dickes Kind,

jetzt erzähle ich dir kurz was von mir, damit du auch weißt, wer dir Briefe schreibt. Ich bin 51 Jahre alt und habe drei Kinder, die jetzt 25, 23 und 16 Jahre alt sind. Die beiden ältesten, Lena und Greta, sind schon ganz selbständig. Lena arbeitet als Kauffrau für audiovisuelle Medien in Hamburg und Greta studiert in Bochum Management and Economics. Der Jüngste, Florian, besucht die elfte Klasse des Gymnasium Ernestinum in Celle. Er wohnt bei meinem Mann, von dem ich mich vor einem Jahr getrennt habe.
Das waren auch alle mal zu dicke Kinder, weil wir alle immer so schrecklich gern viel zu viel gegessen haben. Es war so schlimm, dass wir uns schließlich selber die „Nahrungsmittelvernichtungsfamilie“ genannt haben!
Heute sind alle drei richtig schlank und sehen sehr hübsch aus.
Aber das war – besonders für meine zweitälteste Tochter, die richtig dick war – gar nicht so leicht dahin zu kommen. Ich weiß also sehr gut, wie es zu dicken Kindern ergehen kann und wie schwer es ist abzunehmen und gleichzeitig noch ein bisschen Spaß im Leben zu haben.

Ich wohne jetzt allein. Während ich früher immer sehr viel Arbeit mit Haus und Garten hatte, habe ich jetzt Zeit, etwas von meiner Lebenserfahrung als Hausfrau und Mutter an andere weiterzugeben.
Eigentlich habe ich gerade ein Buch in Arbeit, in das ich all die vielen Koch- und Backrezepte reinschreibe, die ich im Laufe von 25 Jahren ausprobiert habe. Jetzt habe ich aber vor kurzem erfahren, dass ich zuckerkrank bin, und da fiel mir wieder eine Ernährungsmethode ein, die sowohl gegen Zuckerkrankheit als auch gegen Übergewicht hilft. Bei Kindern wirkt diese Methode sogar noch besser als bei Erwachsenen. So entstand die Idee, ein Extrakapitel für zu dicke Kinder in mein Kochbuch aufzunehmen. Dann aber fragte ich mich: Wann kauft sich ein einigermaßen normales Kind ein Kochbuch? – Die Antwort lautete: Nie!
Und da bin ich auf den Gedanken mit den Briefen gekommen.

Ich habe übrigens vor sechs Jahren auch ein Kinderbuch geschrieben. Es heißt „Die kleinste Schule der Welt“ und – ob du es nun glaubst oder nicht – die wichtigste Person in diesem Buch heißt Steffen Starkstrom und ist ein eindeutig zu dickes Kind.
Du findest das Buch unter
http://einhausfuereuropa.blogspot.com/2010/03/die-kleinste-schule-der-welt.html
Vielleicht hast du Lust, es zu lesen. Das Buch soll Kindern Mut machen und zeigen, wie Dinge besser werden können, wenn man sich gegenseitig hilft.

Nun wieder zurück zu deinem Plan, dein Übergewicht abzubauen und dein Leben in den Griff zu kriegen.
Ich könnte hier jetzt anfangen und dich mit Ernährungslehre und Kochrezepten und Nahrungsmittelverboten überhäufen. Aber ich glaube, dass das nix bringt. Es ist schon richtig, dass du etwas lernen musst über Nahrungsmittel, und es ist auch richtig, dass du lernen musst, dir selber was zu kochen. Ich werde dir in den nächsten Briefen auch einiges Eiweiß, Kohlehydrate, Fett, Vitamine und so weiter erzählen mit der dringenden Bitte, dass du dir das Wichtigste aufschreibst und so ziemlich auswendig lernst.
Denn der Trick bei der von mir vorgestellten Methode besteht darin, dass man einige Lebensmittel (fast) ganz weglässt, andere einfach nicht mehr gleichzeitig zu sich nimmt und dann bei ungefähr jeder zweiten Mahlzeit soviel essen kann, wie gerade reinpasst. Und man darf fünf Mahlzeiten pro Tag zu sich nehmen! Klingt das gut?
Die Methode stammt von dem Franzosen Michel Montignac. Sie ist tatsächlich sehr erfolgreich, und das ist auch wissenschaftlich bewiesen. Um sie richtig anwenden zu können, musst du über die wichtigsten Inhaltsstoffe unserer alltäglichen Lebensmittel Bescheid wissen.
Ich werde dir - wenn du das möchtest – auch Kochen und Backen beibringen. Alles wird genau erklärt, zum Beispiel wie du eine Zwiebel klein schneidest, wie du einen Brötchenteig knetest oder wie du Hühnchen brätst.

Alles in allem wird sich so einiges in deinem Leben verändern. Damit das wirklich funktionieren kann, solltest du da in aller Ruhe rangehen. Du hast Jahre gebraucht, um so dick zu werden. Nun kommt es auf ein paar weitere Wochen des Sich-mit-Schokolade-und-Chips-Vollstopfens auch nicht mehr an. Nun kannst du alles in Ruhe und Gelassenheit vorbereiten. Umso besser wird es dir gelingen.

Du musst zum Beispiel in den nächsten Wochen klären, ob du eventuell eine Krankheit hast, die dein Übergewicht hervorgerufen hat. Es kommen zwei Krankheiten in Frage:
1. Eine Schilddrüsen-Unterfunktion
Dem liegt eine Entzündung der Schilddrüse zugrunde, wovon du aber im Allgemeinen gar nichts merkst. Das kann mit guten Aussichten behandelt werden. Wenn die Krankheit vorliegt und nicht behandelt wird, wirst du trotz Diät nicht abnehmen.
2. Eine Nebennierenrinden-Überfunktion
Diese Krankheit ist sehr selten. Man kann sie erkennen an einer Gewichtszunahme besonders im Gesicht, am Oberkörper und im Nacken. Außerdem stoppt das Wachstum oder verlangsamt sich. Diese Krankheit wird fast immer von einer gutartigen Geschwulst im Gehirn ausgelöst und kann durch eine einfach Operation behoben werden. Falls du so etwas hast, brauchst du keine Angst bekommen. Im Gegenteil: Sei froh, dass du es herausgefunden hast. Denn es ist die Lösung deines Problems!
Vorm Krankenhaus musst du auch keine Angst haben. Überleg mal: Allein schon das Essen im Krankenhaus ist viel leckerer als bei dir zuhause!
Du wirst auch erleben, dass die Schwestern besonders nett zu dir sind. Die passen sehr gut auf dich auf. Die finden das auch überhaupt nicht schlimm, wenn dein Schlafanzug ein bisschen kaputt ist. Ganz viele Kinder haben Schlafanzüge mit Löchern drin. Sie haben auch einen großen Schrank da im Krankenhaus voll mit Schlafanzügen und Unterwäsche und Handtüchern zum Ausleihen. Also, da hast du überhaupt kein Problem.
Wenn du vor der Operation oder der Narkose Angst hast, kannst du es den Schwestern sagen. Die ahnen das aber sowieso schon. Deshalb setzt sich vor der Operation auch eine an dein Bett und hält deine Hand und erzählt dir was Schönes, bis die Narkose wirkt und du sanft entschlummert bist. Dann merkst du gar nichts davon. Und wenn du wieder aufwachst, ist deine Krankheit behoben und alles in bester Ordnung!

Um dir sicher zu sein, dass keine der beiden Krankheiten bei dir vorliegt, musst du es irgendwie hinkriegen, dass deine Mutter mit dir zum Arzt geht oder dich da allein hingehen lässt. Du kannst einfach sagen, dass du immer son komisches Stechen im Hals hast. Du fasst dir unten an den Hals und sagst: „Hier sticht das immer so. Was ist das bloß? Sitzt da die Schilddrüse?“
Lass dir einfach was einfallen, was ihr ein bisschen Angst macht.

Beim Arzt (Allgemeinmediziner / Praktischer Arzt / Hausarzt) fragst du dann, ob eine der beiden von mir beschriebenen Krankheiten bei dir vorliegen könnte. Um festzustellen, ob eine der beiden Erkrankungen bei dir vorliegt, muss dein Blut untersucht werden. Ja, o Schreck, sie werden dir Blut abnehmen!
Ich mag das auch gar nicht, wenn mir Blut abgenommen wird. Deshalb gucke ich beim Blutabnehmen die ganze Zeit stur in die andere Richtung, schon bevor es damit losgeht, gucke ich weg. Und erst wenn das Röhrchen mit meinem Blut weggeräumt ist, gucke ich da wieder hin.
Mein Sohn zum Beispiel, dem wird beim Blutabnehmen immer schwarz vor Augen, ob er da nun hinguckt oder nicht. Das kommt davon, dass für einen Moment zu wenig Blut im Gehirn ist. Bei manchen Kindern reicht das für ne kleine Ohnmacht. Florian sagt dann immer: „Oh, mir wird schwarz vor Augen, ich glaub, ich fall gleich um.“ Dann wird er in Windeseile auf die Liege gelegt, die da für solche Fälle bereit steht, und seine Beine werden senkrecht nach oben gehalten. Dadurch fließt wieder vermehrt Blut in den Kopf.
Also weißt du, was du zu tun hast, wenn dir schwarz vor Augen wird. Du sagst: „Oh, ich glaube, ich fall grad in Ohnmacht.“ Dann legen sie dich dahin und halten deine Beine hoch. Meistens kriegst du dann noch ne Kleinigkeit zu trinken und ein paar Gummibärchen (es hat auch Vorteile, mal kurz in Ohnmacht zu fallen!) und sie fragen dich zehnmal, ob es dir wieder gut geht. Aber verlass dich drauf, dir geht´s schon beim ersten Mal Nachfragen wieder gut.

Dein Blut wird ins Labor eingeschickt und dir wird ein Termin einige Tage später genannt. Dann musst du in der Praxis anrufen (oder du bringst deine Mutter dazu) und fragen, ob es einen Befund gegeben hat. Höchstwahrscheinlich ist ja alles in Ordnung. Beide Krankheiten kommen nicht besonders häufig vor, die zweite sogar fast nie.
Wenn aber doch ein Befund da ist, müsst ihr noch mal in die Arztpraxis und euch eine Überweisung zum Nuklearmediziner holen, also heißt der nächste Schritt, einen Termin in einer Röntgenpraxis zu vereinbaren.
Falls du was an der Schilddrüse hast, muss die näher durchleuchtet werden, um die genaue Größe festzustellen. Das muss dein Hausarzt wissen, um die richtige Dosis des für dich notwendigen Medikaments zu bestimmen. Das Durchleuchten der Schilddrüse ist nix Schlimmes! Einfach nur stillsitzen und machen lassen.
Falls der Verdacht auf diese gutartige Geschwulst besteht, ebenfalls nix Schlimmes!
Nur still daliegen und machen lassen. Die machen nur eine Aufnahme von deinem Kopf.
Das Ergebnis der Untersuchung wird an deinen Hausarzt geschickt. Das bedeutet, du brauchst da nochmal einen Termin, um die weitere Behandlung zu besprechen. Wenn du die Schilddrüsen-Unterfunktion haben solltest, verschreibt der Hausarzt dir ein Medikament, dass du einfach regelmäßig einnimmst, meist eine Pille pro Tag.
Sollte eine gutartige Geschwulst festgestellt worden sein, bespricht der Arzt mit dir den Krankenhausaufenthalt, vielleicht dass die Operation in den Schulferien stattfinden sollte, welches Krankenhaus in Frage kommt, ob du vorher noch was beachten musst und so weiter. Er schreibt dann eine Einweisung ins Krankenhaus für dich und ruft im Krankenhaus an und klärt, wann die ein Bett für dich freihaben.
Nun hast du es fast geschafft und weißt, dass du einige Wochen später von all dem erlöst bist.
Ich weiß, das klingt jetzt alles relativ einfach. Aber in Wirklichkeit ist das etwas, wovor auch viele Erwachsene sich am liebsten drücken, weil sie Angst davor haben.
Mach dir trotzdem keine Sorgen. Weiter unten erkläre ich dir noch, wie du das alles hundertprozentig hinkriegen kannst, selbst wenn deine Eltern die ganze Zeit über keinen einzigen Handschlag für dich tun.
Und was meinst du, wie gut du dich fühlst, wenn du es geschafft hast, wie stolz du dann auf dich bist!


Eine andere Sache ist der Bewegungsmangel, der mit dazu geführt hat, dass du zu dick bist. Nun bist du so dick, dass du keine Lust mehr auf Bewegung hast. Eventuell tun dir auch deine Gelenke und der Rücken weh. Auch aus diesem Kreislauf findest du jetzt einen Ausweg.
Der erste Schritt heißt: Fahrradfahren. Du nimmst dir vor, alle Wege und Fahrten in Zukunft nur noch mit dem Fahrrad zu machen.
Vielleicht sagst du jetzt: Wunderbar, ich hol das Ding aus dem Keller und schon kann´s losgehen. Ja, prima. Mach das.
Wenn deine Mutter Angst hat, dich allein „gefährliche“ Strecken fahren zu lassen, fordere sie auf, dich ein paar Mal zu begleiten - ein bisschen Bewegung kann auch ihr nicht schaden. Aber auch hier gilt: Setz dich durch! Wenn´s regnet, ziehst du eine Regenjacke an. Wenn´s ganz doll regnet, hast du eine Hose zum Wechseln dabei. Und wenn es so richtig arschkalt ist, wirst du ja wohl irgendwo noch ne Mütze finden.

Vielleicht sagst du: Ich hab zwar ein Fahrrad, aber das hat einen Platten oder das Licht funktioniert nicht oder die Bremse, oder alles gleichzeitig. Außerdem ist das Schloss kaputt und die Luftpumpe ist futsch.
Oder noch schlimmer: Du hast gar kein Fahrrad.
Das Problem muss gelöst werden und es kann gelöst werden. Sag dir einfach: Ich werde dieses Problem jetzt lösen.

Mit etwas Geld wäre es einfach zu lösen. Aber du hast keins, und deine Eltern haben entweder auch keins oder sie behaupten, dass sie keins haben. Der erste Schritt das rauszukriegen besteht darin, dass du zu ihnen hingehst und sagst:
„Ich brauche jetzt dringend ein verkehrstüchtiges Fahrrad, denn ich brauche mehr Bewegung, damit ich nicht noch dicker werde.“
Dann sagen sie, dass sie kein Geld dafür haben, dass aber vielleicht der Weihnachtsmann…
Aha, denkst du dir, das kenne ich schon. Von ihnen kriege ich kein Geld für Reparaturen oder ein neues Rad.

Nun machst du dir klar, dass irgendwo dein neues Fahrrad oder die Sachen, die dir für dein Fahrrad fehlen, schon bereit stehen. Du musst nur den Weg dorthin finden. Und diesen Weg schildere ich dir jetzt.
Du setzt dich an den Computer und suchst dir die Adresse des für dich zuständigen Jugendamtes heraus. Die Adressen der meisten Jugendämter findest du unter folgendem Link
http://www.infodienstnet.de/index.php?kategorie=jugendamt&show=start.htm
Da klickst du dann nur noch auf dein Bundesland und suchst nach deiner Stadt oder Gemeinde. Es kann auch eine nahegelegene Stadt sein. Notier dir die Adresse und schreib folgenden Brief:

Oben quer auf den Briefbogen schreibst du deinen Namen und deine Adresse. Etwas unterhalb links schreibst du die Anschrift des Jugendamtes. Noch etwas weiter unterhalb rechts schreibst du deinen Wohnort und das Datum hin und dann folgenden Text:

Sehr geehrte Damen und Herren,
leider verdienen meine Eltern sehr wenig Geld. Aus diesem Grund habe ich kein Fahrrad. (Oder du schreibst: Aus diesem Grund ist mein Fahrrad nicht verkehrstüchtig. Die Klingel und das Licht sind kaputt, ich habe keinen Korb für meinen Ranzen und so weiter.)
Da ich unter Übergewicht leide, brauche ich dringend sehr viel Bewegung. Die billigste Möglichkeit, täglich ein gelenkschonendes Training durchzuführen, ist für mich das regelmäßige Fahrradfahren zur Schule und zurück und zu allen anderen Unternehmungen auch.
Hiermit möchte ich Sie bitten, mir dabei behilflich zu sein, in den Besitz eines verkehrstüchtigen Fahrrads zu kommen. Es kann auch ein gebrauchtes sein. (Oder du schreibst: Hiermit möchte ich Sie bitten, mir dabei behilflich zu sein, mein Fahrrad in einen verkehrstüchtigen Zustand zu versetzen.)
Ich besuche die … (hier schreibst du den Namen deiner Schule rein) in der …straße, Klasse…, Raum….
Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, einmal nach Schulschluss ein Gespräch mit mir zu führen. Am besten würde es mir … oder …passen (hier schreibst du die beiden Wochentage rein, an denen es bei dir am besten passt. Dann kann der Sozialarbeiter vom Jugendamt nach Schulschluss vor deinem Klassenraum auf dich warten. Es kann aber besser sein, einen Treffpunkt außerhalb des Schulgeländes vorzuschlagen. Dann schreibst du auch zwei Wochentage auf und die Uhrzeit, zu der du an einem geeigneten Treffpunkt auf den Mitarbeiter wartest, also zum Beispiel vor einem Supermarkt. Du schreibst noch dazu, welche Farbe deine Jacke hat, dann erkennt der dich sofort, oder die, es kann auch sein, dass eine Frau kommt).

Mit freundlichen Grüßen

(Unterschrift)

Es gibt Eltern, die das nicht so toll finden, wenn ihr Kind so einen Brief schreibt, zum Beispiel weil sie sich schämen, dass sie so arm sind, oder weil sie nicht wollen, dass jemand merkt, dass sie dir dringend notwendige Sachen nicht kaufen, obwohl sie das in Wahrheit könnten.
Mach ihnen einfach keinen Stress.
Lass den Brief nicht irgendwo rumliegen und erzähl auch deinen Geschwistern nicht davon. Sondern schick ihn ab. Kleb eine 55-Cent-Marke auf den Umschlag und schreib die Anschrift des Jugendamtes darauf. Wenn du keine Briefmarke hast, kannst du dir eine im Schulsekretariat ausleihen. Du sagst einfach, du musst einen wichtigen Brief an ein Amt schicken. Dann kriegst du eine Marke.
Du musst dir auch keine Sorgen darüber machen, ob du an das genau richtige Jugendamt geschrieben hast. Wenn es nicht das richtige ist, dann schicken die den Brief weiter an die für dich zuständige Stelle. Weil die manchmal ein bisschen Zeit brauchen in diesen Ämtern, solltest du auch Termine vorschlagen, die ungefähr eine Woche bis 10 Tage nach dem Abschicken des Briefes liegen.

Du wirst sehen, du kriegst genau die Hilfe, die du brauchst. Und du brauchst dich auch ganz bestimmt nicht für irgendwas zu schämen. Für genau solche Kinder wie dich sind die Sozialarbeiter nämlich da. Die freuen sich, wenn sie so einen Brief kriegen. Die wissen, wie es dir geht, denn du bist kein Einzelfall. Die finden das richtig gut, wenn du dich um deine Gesundheit kümmerst. Sie mischen sich auch nicht in dein Familienleben ein. Du brauchst dir also keine Sorgen zu machen, dass da plötzlich ein Sozialarbeiter an eurer Wohnungstür klingelt und mit deinen Eltern und Geschwistern sprechen möchte.
Also mach dir klar: Wenn du diesen Brief schreibst, kann nichts Schlimmes passieren. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass gar nichts passiert. Aber höchstwahrscheinlich wird etwas sehr Positives passieren. Du wirst kurze Zeit später fröhlich durch die Gegend radeln und du hast für die Zukunft einen Ansprechpartner beim Jugendamt, den du bei Bedarf immer um Rat und Hilfe bitten kannst.
Wenn du dann dein Fahrrad hast oder die Sachen für´s Fahrrad, die dir fehlen, sagst du zuhause einfach, du hättest das bei einer gemeinnützigen Aktion in der Schule bekommen. Oder der Sozialarbeiter gibt dir einen Tipp, wie du das zuhause am besten rüberbringen kannst, ohne dusselige Rückfragen oder sonstigen Ärger von der lieben Family.
So bist du auf bestem Wege, dir Respekt zu verschaffen, nur dass das außer dir und dem Sozialarbeiter noch keiner weiß. Und das müssen die erstmal auch nicht so genau wissen.

Nun weißt du auch, wie du das mit den ärztlichen Untersuchungen schaffen kannst, wenn deine Eltern dir nicht helfen. Du gehst das Problem gemeinsam mit deinem Sozialarbeiter an. Der fährt mit dir zum Arzt und erklärt dir alles, wenn du was nicht verstehst. Der kann bei Bedarf auch deinen Eltern verklickern, warum diese Untersuchungen notwendig sind. Du bist damit nicht allein. Am Ende, du wirst es sehen, ist das alles gar nicht so schwer, wie man vorher immer denkt!

Denk dir, du baust dir jetzt ein Schiff. So wie dieses kleine Schiff oben auf dem Bild. Es ist dein Gedankenschiff, deine Pläne-für-die-Zukunft-Schiff, und mit diesem Schiff fährst du los – mitten rein in DEIN EIGENES LEBEN.

Liebe Grüße
Deine Ameli

Meine Anschrift:
Ameli Zieseniß
Am Ortfelde 112
30916 Isernhagen
Deutschland

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen